Faire Honorare

Anders zu wirtschaften ist uns ein Anliegen – auch in dem, wie wir selbst als iniciato unterwegs sind, um damit zu einer anderen Art des Wirtschaftens im Außen beitragen. Ein Teil davon ist unser Bedürfnismodell, über das wir bereits geschrieben haben. Ein anderer Teil betrifft unsere Preise.

Preisspannen und Wert

Wir arbeiten mit Preisspannen, damit jene mit mehr Geld auch mehr zahlen können und jene mit wenig Geld trotzdem Begleitung bekommen können. Klingt simpel, ist aber gar nicht so einfach in der Praxis, weil sich Kund:innen sehr, sehr selten ganz oben in der Preisspanne einordnen. Trotzdem funktioniert es für uns gerade auch in der Freiheit, die wir einzelnen lassen, wirklich selbst zu entscheiden, wo sie sich einordnen je nach dem, was sie sich leisten können und welchen Wert die angefragte Begleitung für sie hat.

A propos Wert: Zugleich steckt auch für uns eine Freiheit darin, den Wert unserer Arbeit unabhängig davon zu denken, wie viel dafür gezahlt wird. Wir sind zutiefst überzeugt davon, dass es einen großen Bedarf für unsere Arbeit gibt: Menschen darin zu begleiten gut und wirksam zusammenzuarbeiten, etwas Wichtiges und Schönes in die Welt zu bringen ohne sich aufzureiben. Menschen zu unterstützen im Team herauszufinden, wie sie Spannungen für Veränderung nutzen statt sich in Konflikten zu verhaken und gegenseitig auszubremsen oder zu verletzen. Führung und Selbstverantwortung immer wieder neu und anders zu entdecken – egal auf welcher Ebene oder ohne formale Hierarchien. Und so weiter und so fort.

Und zugleich ist Bedarf nicht gleich Nachfrage. Menschen erzählen uns, wie gern sie bestimmte Dinge im Miteinander anders gestalten würden, aber für die Begleitung fehlt gerade einfach die Zeit. Oder das Geld. Oder die Einsicht der Chefin. Langfristig sind wir überzeugt davon, dass es sich auszahlt: Was an Zeit und Geld und Nerven in einen gut begleiteten Wandelprozess der Arbeitskultur fließt, bedeutet später Freiräume und Fülle an Zeit und ruhigen Nerven (und manchmal auch mehr Geld). Das nützt aber kurzfristig nicht viel: Kurzfristig ist es trotzdem eine Investition, die mir erst mal möglich sein muss. Und Preisspannen tragen hoffentlich dazu bei, sie möglichst vielen zugänglich zu machen, die sie brauchen.

„Und wenn es trotzdem zu teuer ist?“ – Zugang vs. faire Stundensätze

Manchmal arbeiten wir für Stundensätze unterhalb unserer Preisspanne. Weil wir freie Kapazitäten haben. Weil wir den Auftrag gerade einfach dringend brauchen. Weil uns das Anliegen besonders nah am Herzen liegt. Weil wir im Austausch mehr bekommen als Geld und uns das gerade wichtiger ist: Einsichten, Herausforderungen, Rückmeldungen, Empfehlungen, Freude, Gelegenheiten wirksam zu sein…

Zugleich sollte allen klar sein: Unterhalb der eigenen Preisspanne zu arbeiten ist keine grundsätzliche Lösung. So können wir langfristig nicht kalkulieren, weil wir dann selbst nicht gut davon leben können. Und uns nicht an einem Unterbietungswettbewerb der Preise beteiligen wollen, durch den viele verlieren und viele Berater:innen und Begleiter:innen dann nicht mehr von den „üblichen“ Stundensätzen leben können.

Denn selbstständig zu arbeiten heißt auch: vom Stundensatz muss ich alles zahlen können, wofür ich selbst Zeit aufwände oder anderen Geld zahle für Zuarbeit:

  • soziale Absicherung für Krankheit, Pflegebedürftigkeit Alter und Arbeitslosigkeit,
  • Arbeitsmittel von Software bis Computer,
  • Marketing und Akquise,
  • Buchhaltung und Steuer,
  • Aus- und Weiterbildungen,
  • interne Treffen um zu visionieren und zu planen, Spannungen zu bearbeiten, Arbeitsalltag zu besprechen, Strukturen weiterzuentwickeln u.a.,
  • neue Methoden zu erkunden und auszuprobieren,
  • das Kümmern um die Qualität unserer Arbeit mit Reflexion und Supervision

Deshalb halte ich es weder für besonders alternativ noch fair, zu oft oder zu weit unter der eigenen Preisspanne zu arbeiten. Weil Selbstausbeutung nicht die Art von anders wirtschaften ist, zu der ich mit meinen geschäftlichen Entscheidungen beitragen möchte. Und sehe es gleichzeitig im Spannungsfeld mit anderen mir wichtigen Werten, die ich auch leben möchte: großzügig zu sein, wenn mein Wissen gefragt ist, beizutragen, wenn meine Unterstützung gebraucht wird, Zugang zu ermöglichen, wo ich kann.

Insofern: Sprecht und fragt uns an, auch wenn das Budget nicht zu reichen scheint. Und geht damit gleichzeitig sorgsam um: Faire Honorare sind ein unabdingbarer Bestandteil guter Arbeit.