iniciato ist jetzt eine Kommanditgesellschaft

iniciato Team stimmt der KG Gründung zu

Seit der Eintragung im Handelsregister firmiert iniciato jetzt als Kommanditgesellschaft. Aus der GbR ist eine KG geworden. Und weil wir uns diesen Schritt selbst gestaltet haben, statt ihn von der Stange zu nehmen, erzählt er ziemlich viel darüber, wie wir unsere Zusammenarbeit verstehen.

Dieser Wechsel von der GbR in die KG verlief identitätswahrend, d.h. die GbR wurde nicht aufgelöst, sondern in eine KG umgewandelt. Sprich: wir haben uns weiterentwickelt und sind dennoch wir selbst geblieben. Unsere Kund:innen und Lieferant:innen haben jetzt die iniciato KG als Gegenüber – und die KG ist ein Ausdruck, was sich bei uns im Innen geändert und was sich weiter gefestigt hat.

Wir wollen Euch hier mitnehmen und von unseren Beweggründen, Klarheiten und Fragen berichten.

Was hat uns bewogen, die Rechtsform zu ändern?

Als kleines kollektives Unternehmen bestehen wir buchstäblich aus den Menschen, die es führen und gestalten. Auf juristischer Ebene findet das seine Entsprechung in der Rechtsform einer Personengesellschaft, die keine eigene juristische Person ist, sondern aus den Gesellschafter:innen besteht. Im kulturellen Ansatz ergibt sich das aus einer klaren Bedürfnisorientierung: interne Entscheidungen daran zu orientieren, was wir brauchen, um gut arbeiten zu können.

Und ein Bedürfnis neu hinzukommender Menschen war, sich die Haftungsfrage noch mal anzuschauen. Denn der Eintritt in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts heißt vollumfänglich für alles Laufende und alles Vergangene zu haften. Das macht es kompliziert, weil eine unbeschränkte Haftung in die einzelnen Familiensysteme hineinwirkt.

Ein weiterer Veränderungsimpuls rührte daher, dass sich ein Teil der bestehenden Gesellschafter:innen eine längere Auszeit wegen Elternzeit oder Promotion genommen haben. Auch für solche längeren Auszeiten ist es nicht wirklich passend, Gesellschafter:in in einer GbR zu sein.
Die Hauptfrage für uns war also: Wie können wir die Rechtsform so anpassen, dass sie tatsächlich der Situation aller beteiligten Menschen gerecht wird und wie kann insbesondere die Haftung für Einzelne beschränkt werden, ohne dass wir unseren Charakter und unsere zentralen Kulturelemente ändern müssen?

Was war uns dabei wichtig?

In unserem Selbstverständnis geben wir uns als Menschen „all in“ in unsere Arbeit. In der Gestaltung von Prozessen und der Begleitung von Gruppen und Einzelnen sind wir mit allen Sinnen, Gefühlen, allem Wissen und Verstehen und mit allen Erfahrungen präsent und arbeiten aus dem persönlichen Moment. Das geht für uns, weil wir in iniciato einen Raum sozialer und psychologischer Sicherheit haben. Entsprechend war für uns schon bei der Gründung von iniciato klar, dass wir einen Rahmen brauchen, in dem wir ohne Umwege genau so zusammenarbeiten können und adäquat nach außen auftreten. Das hat vor 5 Jahren zur Gründung der GbR geführt.

Diese Gestaltung im Innen hat vor allem vier konkrete Elemente, die berücksichtigt werden:

  • Ein zentrales Element ist, dass alle Menschen, die mitarbeiten, in die zentralen Informations-, Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden sind und damit auch die Geschäfte mitführen.
  • Ein weiteres zentrales Element unseres Miteinanders ist das Bedürfnismodell. Wir bezahlen uns das, was jede:r braucht in Abgleich zu unserer wirtschaftlichen Realität als Unternehmen. Die Auszahlung ist daher erst einmal unabhängig von klassischen Parametern wie Zeiteinsatz, individuell erwirtschaftetem Umsatz und Co. Das Bedürfnismodell ist gleichzeitig auch das zentrale Steuerungsmodell für das Unternehmen, weil sich dabei die Bedürfnisse der Menschen mit den Bedürfnissen des Unternehmens und den Bedürfnissen der Kund:innen treffen.
  • Der dritte Punkt, der für uns unverrückbar ist: Unsere bislang schon gelebte (finanzielle) Solidarität untereinander muss einfach gestaltbar bleiben. Da ist beispielsweise unser Solidarfond, aus dem wir schon Krankengeld und eine Aufstockung zum Elterngeld finanziert haben.
  • Und viertens wollten wir den Charakter einer Personengesellschaft nicht aufgeben, denn unsere Arbeit ist die persönliche Hinwendung und das persönliche Einbringen.

Was ist daraus geworden?

Wir haben nun eine Kommanditgesellschaft gewählt und nach unseren Belangen gestaltet. Eine Kommanditgesellschaft besteht immer aus Komplementär:innen, die unbeschränkt haften und das Unternehmen führen, und aus Kommanditist:innen, die nur beschränkt haften, aber persönlich involviert sein können.

Wir haben für unseren Zweck zwei Arten von Kommanditistinnen geschaffen. Eine Gruppe für die Menschen, die aktiv sind und entsprechend zusammen mit den Komplementären sehr weitreichende Prokura haben und das Unternehmen aktiv mitgestalten, so dass es möglichst kein Machtgefälle zu den Komplementär:innen gibt. Und eine zweite Gruppe für Menschen, die vorübergehend pausieren oder sich der Mitwirkung in iniciato nähern. Diese Gesellschafter:innen behalten Stimme in den großen Entwicklungsfragen, sind aber aus dem operativen Geschäft heraus.

Wer Lust hat, mehr zu wissen, kann sich gerne hier unseren Gesellschaftsvertrag anschauen und uns ansprechen.

Was hat der Prozess uns (mal wieder) gezeigt?

  1. Es braucht eine wirklich zugewandte, kompetente und kreative Begleitung in den rechtlichen Finessen, wenn die eigenen Vorstellungen eines guten miteinander Wirtschaftens dann doch erheblich von der Standard-Gestaltung eines Unternehmens abweichen . Mit der großartigen Unterstützung unserer Steuerberaterin Sabine Berkelmann und unseres Anwalts Benjamin Böhm haben wir in knapp einem Jahr die Klarheiten und Formulierungen gefunden, die wir nun in unserem Vertrag niedergeschrieben haben.
  2. Gleichzeitig hat es uns letztlich gut getan und sich gelohnt, 5 Jahre nach der Gründung von iniciato nochmal genau zu schauen, was ist uns wirklich wichtig ist und was nicht. Unbestreitbar, es war ein mühevoller und bisweilen nerviger Weg, denn unsere Kraft ziehen wir überwiegend aus der Arbeit nach außen, nicht aus dem Kleinklein der Gestaltung eines Gesellschaftsvertrags. Aber sich Rechtsfragen intensiv zu stellen anstatt sich einfach damit abzufinden, dass eine Lücke zwischen den formellen Gegebenheiten und den gelebten Bedürfnissen besteht, trägt auch dazu bei klar und ehrlich zu sich selbst und einander zu sein.
  3. Rechtliches und formelles auszuhandeln ist ein zutiefst sozialer Prozess. „Moving at the speed of trust“, wie adrienne maree brown formuliert, bedeutet, sich auch die Zeit zu lassen, die die beteiligten Menschen brauchen, um sich über ihre Bedürfnisse klar zu werden, sie zu äußern, gemeinsam Wege auszukundschaften und Richtungen zu wechseln. Damit die rechtlich-formellen Entscheidungen stimmig sind mit den sich entwickelnden und verändernden zwischenmenschlichen Beziehungen, die unserer Zusammenarbeit im Innen zu Grunde liegen. Um einzeln und gemeinsam freudvolle Veränderungen zu feiern und schmerzhafte Veränderungen zu verarbeiten.

Wie geht es weiter?

Die KG-Gründung war der erste Schritt. Im Moment kommen Barbara und Johanna als neue Gesellschafterinnen mit Prokura dazu. Wie eingangs beschrieben sind die beiden schon länger aktiv in die Gestaltung von iniciato eingebunden und ihr Beitritt ein Auslöser für den Rechtsformwechsel. Damit haben wir unsere heutige Arbeitsweise auch formal wieder gefasst.

Warum wir Euch das alles erzählen?

Weil dieser Umbau im Kleinen genau das ist, was wir mit Organisationen im Großen tun: Strukturen so gestalten, dass sie zu den Menschen und ihren Werten passen – und nicht umgekehrt. Was wir dabei über Haltung, Beteiligung und tragfähige Entscheidungen lernen, bringen wir in jede Begleitung mit.